Nina...Wir schaffen das. PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kirsten Wagner   
Sonntag, den 17. Dezember 2017 um 00:00 Uhr

17.12.2017

Nina

 

Aus einem Bündel Todesangst wurde nach 6 Monaten

vorsichtiger Arbeit der wunderbaren Mitarbeiter des Tierheimes Pfungstadt

eine Hündin, die sich traut, auf einem Spaziergang „ihr Geschäft“ zu machen.

Und manchmal wurde auch schon der Geschmack eines Grashalms geprüft.

 

Am 1.12. kam „Ninchen“, wie Kirsten Wagner sie manchmal nennt, bei uns zu Hause an.

Todesangst vor fast allem… Und dann noch die andere Umgebung, andere Menschen,

Tiere und Gerüche, Stille, nur EIN Hund, mehrmals täglich spazieren gehen, dieses gefährliche
An- und Ausziehen des Brustgeschirrs, das An- und Ableinen und so vieles mehr …

 

10tel-millimeterweise geht es voran. Ja, es braucht Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen.
Nicht nur mit dem Hund, sondern auch mit sich selbst.

Alles, was nicht wirklich wichtig ist auf der Welt: ausblenden.

Wie sehr und tief man durch Tiere doch in sich selbst finden kann …

 

In den USA hieß es mal „Yes, we can.“   Unser Slogan ist: „Wir schaffen das !! „

 

Abgewendeter Blick, Bewegungen fast im Zeitlupentempo, eine gebückte seitliche

Körperhaltung, das detaillierte Planen einfachster Dinge wie das Vorbereiten zum

Spazierengehen …. Alles muss man ganz neu durchdenken.

Sagte nicht Einstein mal „Der Kopf ist rund damit das Denken die Richtung andern kann.“ ?

 

Nun sind schon 17 Tage vergangen und die 10tel-Millimeter-Schritte zeigen Wirkung:

 

Man kann sie ansehen, ohne dass sie sich panisch zurückzieht.

Das Brustgeschirr-Anziehen ist „nur“ noch mit Angst verbunden, aber nicht mehr mit Todesangst.

Das Einhängen der Leine am Geschirr ist nur noch ein bisschen gruselig.

Sie kennt die täglichen Gassiwege schon.

Kudden (und davon gibt’s ganze 3 Stück) sind zum Reinlegen da.

 

Manchmal zieht sie sich nicht ängstlich zurück, wenn man zu ihr an die Kudde kommt.

Manchmal schaut sie zu einem anderen Hund hin.

Manchmal kommt sie von alleine in die Diele zum Anziehen.

Manchmal kann sie sich schon schütteln.

Manchmal nimmt sie sehr zaghaft Leberwurst vom Finger.

Manchmal läuft sie schon auf der Mitte des Feldweges und

läuft nicht aus Angst ganz weit links.

Manchmal geht sie nicht mehr vor Angst mitten durch die Pfützen

sondern weicht in meine Richtung aus.

 

Zweimal ist sie schon von einem Zimmer ins andere gegangen.

Zweimal hat sie schon an einem anderen Hund geschnüffelt.

Einmal hat sie versucht, sich zu wälzen.

Einmal hat sie schon mit zappelnden Füssen und „Ton“ geträum.

(Schnarchen kann sie auch ein bisschen).

Einmal hat sie sich schon gestreckt.

Und einmal fremden Besuch entspannt aus der Kudde beobachtet.

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31.08.2017


tierische Daten: Mischling, weiblich, kastriert, 7 Jahre, schwarz, 50cm, geimpft, gechippt

Die letzten 3,5 Jahre war sie in einem anderen hessischen Tierheim und davor irgendwo in Rumänien. Ein Leben oder kein Leben, wie benennen wir es, wenn ein Bündel Angst nicht gesehen werden möchte und nicht gesehen wird.

Nina ist eine Angsthündin, die bei uns jeden Tag ein wenig mehr AUFwacht,-blüht,-atmet,-steht,-horcht,-richtet. Ihre Augen fangen an zu glänzen, ihre Ohren können sich tatsächlich aufstellen, horchend, lauschend, abwartend. Nina ist so mutig, wächst über sich hinaus, zeigt uns jeden Tag, dass sie WILL, das sie MÖCHTE, das Leben kennenlernen, ein Hundeleben geniessen. Immer noch verhalten, klar, sieben Jahre Underdog streift sie nicht mal eben so ab. Sie hat bereits das Gassi gehen für sich entdeckt und als sehr positiv bewertet :-). Sie schnüffelt und riecht, nimmt tiefe Atemzüge und läuft doch schon recht locker mit. Nina ist eine ganz liebe Hündin, pure Sanftheit.