Dienstag, den 07. April 2020 um 15:53 Uhr

Tierheimalltag in Zeiten von Corona


Hallo liebe Mitglieder, Förderer und Freunde,

herzlichen Dank, dass Sie alle uns auch weiterhin so vielfältig mit Sach-und Geldspenden, aber gerade auch mit so aufmunternden Worten zur Seite stehen.

So gerne hätten wir mit Ihnen allen auf unserem Gelände Ostern gefeiert.

Leider ist noch nicht abzusehen, wann unser beliebter Tag der offenen Tür wieder starten und Sie unsere Schützlinge dann auch wieder besuchen können.

Ihre großzügige Unterstützungsbereitschaft ermöglicht unseren Tieren jedoch, die Sicherung eines guten Versorgungs-und Betreuungsstandards und unseren Mitarbeitern und Ehrenamtlichen hilft Ihr freundlicher Zuspruch sehr, auch in dem inzwischen etablierten Dreischichtsystem durchzuhalten.

Nachfolgend wollen wir Ihnen unseren aktuellen Arbeitsalltag einmal beschreiben:

Um sicher zu stellen, dass immer Betreuungspersonal für unsere Schützlinge zur Verfügung steht, insbesondere auch dann, wenn möglicherweise Corona bei einem unserer Mitarbeiter zuschlagen sollte, haben wir zwei strikt getrennte Arbeitsschichten gebildet, die nie gleichzeitig zusammen auf dem Tierheimgelände arbeiten. Sollte uns eine Schicht ausfallen- denn wir müssen für mindestens 2 Wochen alle Mitarbeiter einer Schicht nach Hause in Quarantäne schicken, wenn auch nur ein Kollege aus der Schicht infiziert ist- dann verbleibt noch die andere Schicht zur Notversorgung. Weiterhin halten wir 3 Ersatzleute als sog. Außenschicht bereit, die derzeit hauptsächlich im Homeoffice in der Verwaltung und der Korrespondenzführung tätig sind, die notfalls aber auch bei der Tierversorgung einspringen könnten.

Dennoch sind Mitarbeiter und Ehrenamtliche stark belastet, denn üblicherweise arbeiten wir parallel, Hand in Hand und die Ehrenamtlichen nur vor oder nach Feierabend, denn viele von ihnen sind voll berufstätig. Der komplette Vorstand ist inzwischen in das Dreischichtsystem mit eingegliedert.

Eine tolle Erfahrung in dieser Zeit ist die große Solidarität im Team. Die Teammitglieder unterstützen sich wechselseitig sehr und jeder gibt seine Qualifikationen und Erfahrungen an die anderen weiter und unterstützt.

Unser Motto „ Wir schaffen das!“ ist jederzeit spürbar und auch unsere Tiere zeigen bislang keine Stressreaktionen oder verändertes Verhalten. Es geht Ihnen gut! Darüber sind wir sehr glücklich.

Auch konnten wir bislang die Abgabe von Tieren aufgrund der Besorgnis einiger Tierhalter, sich durch das eigene Haustier mit dem Virus zu infizieren, mittels gezielter Telefonberatung abwenden. Aufklärung ist hier besonders wichtig, um Tierleid zu vermeiden.

Im Anhang finden Sie noch eine Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes, der die allgemeine Situation der Tierheime sehr gut beschreibt.

Ihnen allen danken wir nochmals sehr herzlich, wünschen Ihnen und Ihren Familien ein schönes Osterfest, vor allem aber Gesundheit.

Ihr Tierheim Pfungstadt/Tierschutzverein Pfungstadt und Umgebung e.V.

Tierheimleitung/Vorstand

 

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes

Auch die Tierheime spüren die Auswirkungen der Corona-Krise und stellen sich auf den Ernstfall ein. Einige Einrichtungen berichten von Anfragen unwissender Tierhalter*innen, die ihre Haustiere aus Angst vor einer Ansteckung abgeben wollen, obwohl es dafür keine Hinweise gibt.

Viele Tierheime bereiten sich auf die Aufnahme von Tieren von Corona-Patient*innen vor. Für Besucher*innen hat ein Großteil die Tierheimpforten bereits geschlossen, um die Pfleger*innen zu schützen und so die Versorgung der Tiere zu sichern. Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet, dass die erschwerte Vermittlung von Tieren in Zeiten von Corona und ein Einbruch von Spendengeldern viele Tierheime vor ernsthafte Herausforderungen stellen werden.

Tierheime hoffen trotzdem auf Unterstützung

„Tierheime helfen in dieser Krise, wo sie können und stehen für die in Not geratenen Tiere und ihre Halter ein. Sie haben aber selbst mit den Folgen von Corona zu kämpfen“, berichtet Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Das Virus hat die Welt fest im Griff. Viele Menschen machen sich Sorgen, auch um ihre Existenzen. Wir als Dachverband werden alles in unserer Macht stehende tun, um die Tierheime auch in dieser Notlage bestmöglich zu unterstützen und hoffen trotz der bedrückenden Lage auf die Unterstützung von Tierfreunden. Die Tierheime finanzieren sich größtenteils aus Geld- und Zeitspenden, die Sorgen sind groß.“

Problematisch wird neben den möglichen Neuaufnahmen von Tieren vor allem die erschwerte Vermittlung, weil viele Tierheime – auch auf Anraten des Deutschen Tierschutzbundes hin – ihre Pforten schließen und Besucher*innen höchstens zu fest ausgemachten Einzelterminen ins Tierheim kommen können. Schweren Herzens müssen die Tierheime auch geplante Spendenveranstaltungen, wie Oster-Feste, Basare oder den Tag der offenen Tür absagen und Tierheim-Cafés schließen. Statt mit Veranstaltungen und Aktionen Spenden einzusammeln, auf die sie dringend angewiesen sind, versorgen sie noch mehr Tiere als sonst.

Kein Hinweis auf Übertragung durch Haustiere

Der Deutsche Tierschutzbund rät allen Tierhaltern, sich zu informieren und auf Fakten zu vertrauen. So gibt es keine konkreten Hinweise dafür, dass Tiere das Virus übertragen oder selbst erkranken. Dennoch hält sich dieses Gerücht weiterhin und stellt damit auch eine Belastung für die Tierheime dar. Die wichtigen Fragen und Antworten zum Thema Haustiere und Coronavirus hat der Deutsche Tierschutzbund auf seiner Website www.tierschutzbund.de zusammengefasst.

Auch auf der Website der aktuellen Kampagne „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“ berichtet der Deutsche Tierschutzbund über die derzeitigen Herausforderungen für die Tierheime: www.tierheime-helfen.de/coronavirus